Hinter den Kulissen von Live- und Musik-Kultur
00:00:07: Er ist vom Rehbarbahnfestival um breit FM.
00:00:10: Hallo und herzlich willkommen hier zur Ruhestörung!
00:00:12: Es dauert nicht mehr lang, dann öffnen sich auf St.
00:00:14: Pauli in Hamburg wieder zahlreiche Klubtüren für das Reh-Bahn-Festival.
00:00:19: Vom sechzehnten bis zum neunzehnden September ist es soweit.
00:00:23: In diesem Jahr steht das Festival unter dem Motto Forever Legit Denn die Musikindustrie verändert sich – und zwar ziemlich grundlegend.
00:00:31: TikTok, Instagram und andere Plattformen bestimmen längst mit wie Musik entdeckt, verbreitet und vermarktet wird.
00:00:38: Gleichzeitig ist KI zum allgegenwärtigen Thema geworden und wirft die Frage auf, wie die Branche damit eigentlich umgehen will?
00:00:46: Das Repa-Band Festival rückt deshalb in diesem Jahr besonders den Generationen und Technologiewandeln in den Fokus.
00:00:52: Und die Frage, was es heute eigentlich bedeutet – in der Musikbranche relevant, glaubwürdig und eben legit zu sein?
00:01:00: Was muss sich verändern, damit dieses Ökosystem auch in Zukunft
00:01:03: funktioniert?".
00:01:05: Darüber, aber auch über ihre Musik habe ich mit einem Act aus dem diesjährigen Line-Up gesprochen, der schon länger dabei ist.
00:01:11: DJ und Produzentin Josie Miller!
00:01:14: Erst mal widmen wir uns aber ihren neuen EP.
00:01:17: Bereit?
00:01:17: Dann legen wir los!
00:02:04: Ich bin Josie Millar, äh ... Das schon sehr, sehr lange.
00:02:09: Und Producerin, das mache ich so seit Corona und da entdecke ich gerade ganz viele neue Spielarten und ganz viel was man lernen kann und nördere mich da gerade richtig rein.
00:02:20: Und das ist das, was sich so hauptsächlich gerade mache und liebe!
00:02:23: Das ist also Josie Miller.
00:02:25: fangen wir aber noch einmal von vorne an.
00:02:27: Ein wichtiger Schub für ihre Karriere war im Jahr zwei Tausend Siebzehnte, als sie Tretmann auf seiner DIY Tour begleitet hat.
00:02:33: Eine Phase in der auch seine Karrierei enorm Fahrt aufgenommen hat.
00:02:37: Mehrere Jahre stand sie mit E-Mails to DJ auf großen Bühnen, bevor sie sich wieder stärker ihrer eigenen Musik und ihre Arbeit als Produzentin gewidmet hat.
00:02:46: Josie's Musikkarriere hat aber natürlich schon viel eher begonnen!
00:02:49: Aufgewachsen ist die in Leipzig, hat das Klavier und Gitarre spielen gelernt, Gesangsunterricht bekommen.
00:02:54: Und dann auch das DJing für sich entdeckt.
00:02:57: Allerdings hat elektronische Musik erst mal weniger eine Rolle gespielt.
00:03:01: Also ich hab damals ganz viel Hip-Hop gehört.
00:03:04: Ich war noch gar nicht so in der elektronischen Musik.
00:03:06: So ich bin sehr Rapsozialisiert, Armyrap aber auch viel Deutschrap.
00:03:12: Es gab ein Club in Leibzig.
00:03:13: da haben wir uns immer mit fünfzehn, sechzehn reingesniegt.
00:03:17: Da habe ich den DJ da kennengelernt und war so fasziniert von seiner DJ-Kunst, die er mit Platten da gemacht hat.
00:03:24: Dass ich gesagt hab, ich muss das sofort auch machen!
00:03:27: Das sieht ja übelnd spaßig aus.
00:03:30: Und der hatte so ein Studio bei sich zu Hause und dann habe ich ganz viel geübt und bin da schnell in Kontakt gekommen.
00:03:36: Ich glaube es war weniger die Musik als mehr die Technik und die Kunst und die Platte an sich.
00:03:41: Was also mit der Faszination für Platten, Technik und fürs Auflegen angefangen hat wurde ziemlich schnell ernst.
00:03:47: Und natürlich gab es auch Leute an denen sie sich orientiert hat gerade in einer Szene die damals noch ziemlich männlich geprägt war.
00:03:55: Ja
00:03:55: also es gab schon viele Lokalmatadoren die wir damals hatten natürlich fast alles Männer.
00:04:02: Im Techno-Bereich habe ich auch viele Frauen gesehen damals, aber im Rap war das sehr, sehr männlich.
00:04:08: Aber wir hatten ganz fantastische DJs wie SK-AD Three aus Dresden der dann auch verschiedene World Championships mitgemacht hat und die Drunken Masters und so Leute, die ich damals schon bewundert
00:04:23: hab.
00:04:40: Nach ersten Resident-Jobs in Leipziger Clubs und auch Geeks auf großen Festivals war Josi unter anderem als Tour DJ von Frauenarzt unterwegs.
00:04:48: Und hat, wie gesagt, auch Trettmann auf Tour begleitet.
00:04:52: Gerade diese Zeit mit Trettman und seinem Team hat sie einmal als die beste Zeit ihres Lebens bezeichnet.
00:04:58: Also ja ich glaube mittlerweile gerade diesen Sommer habe ich schon wirklich sehr viele schöne Konzerte gespielt aber ich bin halt schon viel alleine unterwegs weil dass ich mir noch nicht so ein großes Team leisten kann und kein Nightliner.
00:05:12: Als ich tucke meistens mit meinen Dreckhoffern alleine, mit der Deutschen Bahn durchs Land ... Und mit Trettmann waren wir halt so'n krass eingespieltes Team.
00:05:25: Ich hatte alle Vorzüge eines Upcoming Rapstars.
00:05:30: was so Backstage- und musikalische Freiheiten... Ich hatte alle Vorzüge, die das haben kann ohne dass ich selber so ganz vorne auf der Bühne stehen musste.
00:05:43: Sondern ich war trotzdem in der zweiten Reihe und hatte nicht diese ganze Verantwortung zu tragen.
00:05:48: Man musste sich einfach um nichts kümmern und irgendwie war das voll die geile Zeit.
00:05:53: Und es war eine übelste krasse Erfahrung, das mal machen zu dürfen und bin da einfach super dankbar.
00:05:58: Es hat mich extrem geprägt würde ich sagen.
00:06:33: Trettmann war lange eng mit dem Produzententeam Kitschkrieg verbunden.
00:06:37: Sie gingen nach mehreren gemeinsamen Alben getrennte Wege.
00:06:41: Damals erklärten sie, dass die das Gefühl hätten, ihrer Gemeinsamengeschichte nichts mehr hinzufügen zu können.
00:06:47: Auch von Kitschkrieg hat Josi während der Tour mit Trettmann viel gelernt.
00:06:51: Gerade was das Produzieren angeht?
00:06:52: Ja
00:06:53: ich würd schon sagen, ich hab da viel gelernt auf großen Bühnen und vor allem was so möglich ist an Visuals und Technik.
00:07:00: Und ... Kitschlriegs sind natürlich nach wie vor ... krasse Produzenten, die für Deutschland würde ich auch sagen so einen ganz eigenen Sound haben.
00:07:10: Man sieht ja auch gerade an diesem Hype wie speziell deren Produktion ist und genau ich habe da oft bei Fitchi Christy der Produzent in der Ableton Version also in seinem Programm mit dem er arbeitet reingeguckt wie sie so produzieren und so.
00:07:28: das hat mich auf jeden Fall wahnsinnig inspiriert.
00:07:31: bis heute Begleitet mich das.
00:07:33: Und Catch-Krieg haben erst vor kurzem auch international ein Hit gelandet, der weltweit mitgesungen wird.
00:07:39: gut genug zusammen mit Blumengarten und Shirin David.
00:08:22: Vor allem der Refrain ging auf Social Media viral und wurde weltweit mitgesungen.
00:08:27: Im Original ist auch Sharon David zu hören, ihr Part kam allerdings gerade beim internationalen Publikum teilweise weniger gut an.
00:08:35: Vor kurzem ist deshalb eine weitere Version erschienen in der der britische Rapper Skepta den Rap-Part übernimmt
00:08:48: Your advice
00:08:49: don't make sense to me.
00:08:50: You weren't there when I needed you next to meet.
00:08:52: So now i gotta turn up respectfully.
00:08:54: They wanna bring me down, im too high Don't care about the
00:08:56: altitude
00:08:57: Im too fly, got love to give No more taste of crime.
00:08:59: Too rare to live but too rare die.
00:09:17: Ich finde, dieses Skepta Feature als deutsches Producer-Duo aus Krefeld irgendwie ist schon richtig huge.
00:09:24: Und ich freue mich einfach weil die einfach so krass... talentierte Producer sind und so einen eigenen Sound.
00:09:30: Und natürlich auch extrem langen Weg gegangen sind, oder ich freue mich tatsächlich generell über Leute wie Tretti die schon so zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre hasseln und dann funktioniert es halt richtig!
00:09:44: Da steckt so viel harte Arbeit drin und ich glaube so geht's mir auch ein bisschen.
00:09:47: Ich habe echt lange dafür gearbeitet ja und deshalb inspiriert mich das Übelst krass.
00:09:54: Seit Jahrzehnten produziert Jose Miller aus Selbstmusik und bewegt sich dabei vor allem zwischen Low-Fi Hip Hop und elektronischen Sounds.
00:10:02: Nach einigen Solo-Singles hat sie sich mit Stefan Heinrich, Musiker und Teil der Indiepopband klar zusammengetan.
00:10:09: Gemeinsam veröffentlichen die beiden seitdem unter dem Projektnamen
00:10:13: Import Export.
00:10:40: Ein Song aus dem Jahr von Import Export.
00:10:44: In der Zwischenzeit hat Josi nun auch im vergangenen Jahr ihr erstes Solo-Album veröffentlicht und vor kurzem erst ihre neue EP How to Break Your Heart.
00:10:53: Als ich mit ihr gesprochen habe, hatte sie gerade das Release-Wochenende hinter sich.
00:10:57: Ein Wochenende zwischen Berlin und Leipzig.
00:11:00: Genau, genau!
00:11:01: Meine beiden Heimatstädte sozusagen – also in Berlin lebe ich jetzt aus Leipzigkommich – und es ist ja in aktuellen Zeiten glaube ich für Artists... recht schwer so Tickets zu verkaufen und so Touren zu spielen.
00:11:14: Und ich habe mich dann einfach erst mal dafür entschieden, nur die Städte zu machen wo ich weiß... Ich kenne viele Leute!
00:11:20: Ich hab da Rücken und ich hab die Kapazität da selber was zu veranstalten.
00:11:24: aber das war natürlich a lot Mit Release und alles selber organisieren.
00:11:31: Auch wenn Josi sich bei den Konzerten bewusst auf die Städte konzentriert hat, in denen sie auf ihr Umfeld zählen konnte ist das noch lange keine Garantie dafür dass am Ende auch wirklich jemand kommt.
00:11:41: In Leipzig sah es bis kurz vorher noch etwas mau aus.
00:11:45: Ja also ich hatte Bis fünf Tage vor Veranstaltung in Leipzig fünf Tickets verkauft Und ich war richtig verzweifelt.
00:11:53: Ich war richtig richtig traurig anzukommen und zu sehen, okay der Laden ist voll.
00:11:59: Die Abendkasse ist voll die ganzen Tickets sind weggegangen.
00:12:03: da habe ich richtig so Tränen in den Augen gehabt und Ich würde sagen ich hab ein großes Imposter-Syndrom Und Zweifel sehr viel an mir und an dem was ich so mache.
00:12:15: und An diesem Abend habe ich so mir selber gesagt ey heute ist wirklich nicht der Abend zum zweifeln es sind doch alle.
00:12:20: das ist ein übelst schöner Abend und ja da war ich mit mir
00:12:24: im Einklang Das war Runaway von Josie Miller.
00:12:52: Auf ihrer neuen EP geht es nicht nur darum, Klubmusik zu machen – die funktioniert und einen mitnimmt!
00:12:57: Josie wollte den Tracks auch inhaltlich mehr Tiefe geben.
00:13:00: Im Begleittext zur EP wird sie sogar als eine Art musik- gewordene Konfrontationstherapie beschrieben.
00:13:06: Eine ziemlich große Formulierung, deshalb wollte ich von ihr wissen was genau dahinter steckt.
00:13:14: in diese Clubmusik dich mache, so Inhalt zu bringen.
00:13:18: Also wie ich auch normale Songs reiten würde und ich hatte oft das Gefühl dass im Elektronischen Bereich überhaupt nicht pauschal aber so in der Club Musik sind die Messages sehr low sag' ich mal Und ich hatte irgendwie das Bedürfnis, die mit mehr Tiefe zu füllen ohne dass man jetzt so richtige Songstrukturen mit dem ganzen Verse und Hook.
00:13:39: Du kannst da sehr viel reinpacken hast und es dann eher über Samples oder Chords natürlich auch über Lyrics zu lösen.
00:13:48: Nach meinem letzten Album, das hieß ja Four Stages of Sleep wo ich mich sehr viel mit Schlaf im Allgemeinen und auch mit meinem Schlaf und Träumen beschäftigt habe ging's in dieser EP darum Die Fähigkeit besitze, nicht so richtig aus meinen Fehlern zu lernen und immer wieder in die gleiche Scheiße reinzutreten.
00:14:07: Einfach auch so aus einer People-Plesigkeit.
00:14:10: Und dass ich sehr lange in Situationen aushalte, die mir nicht gut tun... ...und dass ich mich dadurch eigentlich öfter selber mein Herz breche weil ja zwischen menschlichen Beziehungen oft sehr lange liegen lasse bis ich dann mal merke okay das tut mir wirklich nicht gut und ich muss daraus Und das aufgeteilt in so verschiedene Unteraspekte im Leben, habe ich in einem Songwritingcamp in Südfrankreich mit ganz tollen Produzern zusammen dieses Thema durchgegangen und wir haben geschaut was könnte man daraus machen in verschiedenen Songs.
00:14:42: Also Klubmusik als Ort, an dem man nicht nur loslassen sondern sich auch mit den eigenen Mustern auseinandersetzen kann.
00:14:50: Bei Josi geht es dabei vor allem um Beziehungen, People-Pleasing und um die Frage warum man manchmal viel länger in Situationen bleibt als einem eigentlich gut tut.
00:14:59: Manche würden vielleicht denken das geht mit dieser Art von elektronischen Musik nicht unbedingt zusammen.
00:15:04: Josi sieht das anders!
00:15:06: Also ich würde gar nicht so pauschal elektronische Musik sagen So viel in Klubmusik und ich glaube, dass es da natürlich auch mehr darum geht die Leute mit einer musikalischen Emotion zum Tanzen zu bringen als das man jetzt so auf den Text hört.
00:15:19: Und deshalb ist die Mucke, die ich mache auch irgendwo zwischen du kannst es schon zu Hause hören und im Club.
00:15:25: Also da changiere ich auf jeden Fall und versuche dass beides möglich ist.
00:15:29: aber da liegt glaube ich der Fokus wo ganz anders
00:15:32: für diesen Sound hat sie sich dann einmal quer durch ihre eigenen musikalischen Einflüsse gehört von elektronischer Klubmusik bis hin zu Künstlerinnen die vor allem mit Stimme und Atmosphäre arbeiten
00:15:42: also Ganz tief so in die elektronische Szene abgetaucht.
00:15:47: Und vor allem habe ich mir sehr viele Producer-Streams angeguckt.
00:15:50: und wie machen die Leute, die sich krass feiern ihre Songs?
00:15:54: So Leute wie Jamie XX oder Over Mono auch viel UK aber natürlich auch Inspirationen wie Soap and Skin oder Mine, die dann ihre Stimmen ganz special einsetzen und Best of All Worlds wollte ich da irgendwie verbinden.
00:16:09: Aber diese Orte in Südfrankreich das war wirklich eine geile Zeit.
00:16:13: Man ist da in so einem wunderschönen Gelände.
00:16:15: Es gibt haufenweise Cremants, es gibt ganz schlechtes Internet was voll geil war für das Producing.
00:16:20: Es gab Katzenbabys super viel zu essen und man hat also die perfekten Bedingungen um wirklich achtzehn Stunden am Tag zusammen Musik zu machen.
00:16:29: Und wir hatten einen extremen Output.
00:16:31: Wir waren sehr kreativ weil ich weiß nicht ob du das auch kennst wenn wo man jeden Tag so drei, vier Stunden dransetzt.
00:16:38: Aber du hast nicht die Zeit, dich mal eine Woche auf eine Sache zu fokussieren und diese Möglichkeit hatten wir dort.
00:16:44: Dieser kreative Ausnahmezustand in Südfrankreich hat sich im Tempo bemerkbar gemacht.
00:16:50: Einige Songs entstanden innerhalb weniger Stunden.
00:16:53: Ich glaub almost enough hab ich mit Mulay in drei, four Stunden gemacht, weil sie auch so ne krasse ... talentierte Producerin, Songwriterin und vor allem Sängerin ist.
00:17:06: Der ging recht schnell und ja ein paar Songs habe ich dann hier in Deutschland auch noch alleine in meinem kleinen Homestudio gemacht was du jetzt hier siehst.
00:17:13: aber ich glaube so fünf Tracks sind da in Südfrankreich entstanden.
00:17:43: Dieses Gefühl nicht gut genug zu sein.
00:17:46: Obwohl es von außen und vielleicht auch von innen eigentlich genug Bestätigung gibt, kennt Josi selbst ziemlich gut.
00:17:51: Über ihr Imposter-Syndrom hat sie vorhin schon gesprochen – dabei ist sie ja längst keine Anfängerin mehr, sondern seit vielen Jahren im Musikbusiness unterwegs.
00:18:00: Ich habe mich also gefragt, verschwindet dieses Zweifeln nicht irgendwann?
00:18:04: Oder ist das etwas, dass viele in der Branche immer wieder begleitet?
00:18:08: Ich weiß nicht, wie es mit Artists ist die so richtig, richtig groß sind und sich vielleicht auch um ihre Existenz und so keine Sorgen mehr machen.
00:18:18: Die ausgesorgt haben und sich mit sich im Reihen sind weil sie alle Möglichkeiten hatten auszuprobieren was sie so künstlerisch bewegt hat.
00:18:25: aber auf meinem Level würde ich sagen geht das fast allen so mit denen ich spreche So ein Format auf Arte, das heißt Chat with a DJ.
00:18:35: Und da hab ich echt auch viele DJ-Legenden getroffen die seit dreißigvierzig Jahren im Bergheim auflegen und nach wie vor daran zweifeln und jedes Wochenende die krasseste Bestätigung bekommen und trotzdem nach Hause gehen und denken, hey war das gut?
00:18:50: Und vielleicht gibt's dann auch eine Nachricht in Die Mfach, die dann sagt der Abend wars jetzt nicht und du zweifelst wieder komplett dein ganzes Lebenswerk an obwohl zehn Leute das geil fanden.
00:19:00: aber irgendwie sind unsere Gehirne ja auch so strukturiert oder meins zumindest, dass mich eine schlechte Nachricht zehnmal mehr runterzieht als ne positive.
00:19:25: Heier von Josi Miller Ganz auf die Musik konzentrieren konnte sie sich nicht nur während der Arbeit an ihrer EP in Südfrankreich.
00:19:49: schon ein paar Jahre vorher hat sie dafür einen anderen Rückzugsort gefunden – Die Uckermark.
00:19:54: In den letzten Jahren hat Josi drei Wochen als Musicboard-Stipendiatin auf dem Stern Hagengut verbracht und begleitet von Gut Run Gut als Mentoren.
00:20:04: Gudrun ist eine prägende Figur der Berliner Musikszene.
00:20:07: Seit Ende der siebziger Jahre ist sie dort aktiv, war Teil von Mania D., kurzzeitig gründungsmitgliedte einstülzende Neubauten und hat später gemeinsam mit Bettina Köster die Band Malaria
00:20:19: gegründet.".
00:20:40: Drei Wochen hat Josi Miller also Zeit mit einer Musikerin verbracht, die selbst immer wieder Grenzen ausgelotet und mit Sounds experimentiert hat.
00:20:48: Und genau dieser Blick von außen ist für Josi ziemlich wertvoll gewesen!
00:20:52: Es war eine Ehre bei ihr und ihrem Mann.
00:20:57: Die haben so ein geiles Haus in der Uckermark ausgebaut – mit wunderschönen Atelier- und Studioräumen und kleinen Gästewohnungen Und wir haben immer abends zusammen gegessen und über Musik abgenirdet, in den Schornstein reingeraucht.
00:21:09: Tagsüber haben wir da so Mucke gemacht.
00:21:12: Sie hat viel Feedback gegeben.
00:21:15: Es war eigentlich auch ganz cool, weil sie hatte einen sehr experimentellen Blick auf Musik und es ist ein sehr unkonventionell.
00:21:23: Und hat mir dann schon auch mal reingegeben, hey das finde ich jetzt echt zu poppig oder probier das noch mal experimenteller und so.
00:21:31: Ich fand es auch geil dass sie da so ehrlich war und mochte ihren Blick auf Musik.
00:21:36: Bei diesem Austausch ist es aber nicht nur darum gegangen ob ein Song poppigt klingt oder noch experimenteller werden könnte.
00:21:43: Josi und Gudrun Gut haben auch grundsätzlich darüber diskutiert welchen Anspruch Kunst haben sollte Und welche Rolle Geld und Kommerz dabei spielen dürfen.
00:21:53: Ich glaub, mit guter Ton war eher so ein Grundsatzdiskussion, die wir dann auch beim Abendessen hatten wie kommerziell darf Musik sein, darf man damit Geld verdienen, darf das der Anspruch sein?
00:22:04: Also ich glaube klar, da darf man Geld damit verdienen!
00:22:05: Das hat sie ja auch gemacht.
00:22:07: aber sie hatte halt diesen pankigen Anspruch von Nee, das ist alles Kunst und Geld verdient ist die Nebensache.
00:22:13: und ich war der Meinung oder auch der Notwendigkeit dass man natürlich irgendwie als Artist davon leben können muss, wenn man es nicht so als Hobby betreibt.
00:22:24: Und ich will das halt nicht als Hobbybetreiben und deshalb gibt's halt Kompromisse die man eingehen muss.
00:22:29: Wir haben ja vorhin im Vorgespräch schon einen Satz über Social Media fallen lassen.
00:22:33: Das ist nichts was ich mir jetzt aussuchen kann sondern damit spielen will, muss ich die Leute auf allen möglichen Wegen erreichen.
00:22:41: Und das ist halt der Markt so abgefuckt wie er teilweise auch ist.
00:22:46: Ich hab mir das ausgesucht und liebe Musik machen und es ist voll das Privileg und deshalb gehe ich da auch Risiken ein.
00:22:51: und Gudrun hatte da einfach noch ein paar andere Ansätze und das war einfach so ein sehr spannender Austausch.
00:22:56: Social Media ist eines dieser Themen um die Musikerinnen heute kaum noch herumkommen.
00:23:01: Wer auf sich aufmerksam machen und ein Publikum erreichen will, ist meistens auch auf TikTok, Instagram oder YouTube präsent.
00:23:08: Das ist fluchen Segen zugleich!
00:23:10: Einerseits war es noch nie so einfach Menschen auf der ganzen Welt direkt mit der eigenen Musik zu erreichen.
00:23:16: Andererseits versuchen genau das natürlich auch unzählige andere – die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist entsprechend groß.
00:23:24: Als Susi Miller angefangen hat, Musik zu machen und aufzulegen, hat Social Media für die Karriere von Musikerinnen noch längst nicht die Rolle gespielt.
00:23:33: Sie hat also ziemlich direkt miterlebt wie sich der Weg vom Musikmachen zum Publikum verändert hat.
00:23:39: Es ist einer der großen Unterschiede zur ihrer Anfangszeit.
00:23:42: Ja so ein Handys spielen natürlich schon eine große Rolle im Unterschied gar kein Thema war damals.
00:23:50: Und auch kein Social Media, außer irgendwie Ankündigen oder mal ein Foto oder auch mal ein Video jeden Monat oder so.
00:23:58: Aber es hatte überhaupt nicht die Dringlichkeit, die ich heute auch hatte und ansonsten hat sich natürlich das paritätische Verhältnis von Flintars zu Männern extrem geäppt.
00:24:13: verändert.
00:24:14: Und ich muss echt sagen, wir sind da im DJing richtig weit.
00:24:18: Es gibt auf jeden Fall so viele krasse Frauen und das Gleiche auch an Bouncerinnen und Bookerinnen.
00:24:26: Da sind wir natürlich irgendwie noch immer auf einem weiten Weg und ich weiß gerade nicht ob der stagniert durch so ein Vibe-Shift aber ich glaube es ist trotzdem eine große Errungenschaft und Veränderungen und vor allem auch Awareness.
00:24:39: also ich habe vor, ich weiß nicht, Da wurde auf Awareness geschissen, die wussten überhaupt nicht was das ist.
00:24:47: Und es ist so eine krasse Errungenschaft aus der Flinter und Queer Community und auch Techno-Community dass wir das jetzt haben und dass das selbstverständlich ist.
00:24:57: Dennoch ist gerade das Thema Handys auf Konzerten ziemlich umstritten.
00:25:01: Die einen filmen minutenlang mit und warten vielleicht auf genau diesen ein Instagram-able Moment, die anderen wollen das Konzert möglichst unmittelbar erleben.
00:25:10: Und ärgern sich über hochgehaltene Displays vor der eigenen Sicht.
00:25:14: Auch auf Artistseite verändert diese ständige Möglichkeit gefilmt und geteilt zu werden Einiges!
00:25:20: Denn solche kurzen spektakulären Momente können auf TikTok oder Instagram enorme Reichweite bekommen.
00:25:28: Was macht das mit der Art, wie Musik gespielt und vielleicht sogar produziert wird?
00:25:33: Da würde ich aber auch niemandem einen Vorwurf machen.
00:25:35: Weil das ist einfach nur ein Teil des Systems in dem wir gerade stecken.
00:25:41: Und im Mainstream ist es auf jeden Fall so ... In den undergroundigeren Szenen.
00:25:47: Deshalb liebe ich ja auch Berlin für Clubs mit Handyverbot und auch Diffusion und so.
00:25:54: Da hat man auch noch eine riesengroße Szene, wo das keine Rolle spielt.
00:25:57: Aber ich würde sagen, wenn man schnell berühmt werden möchte, hat es natürlich einen großen Vorteil, wenn die Leute und die Buckein so direkt sehen was du machst!
00:26:09: Und da befindet sich im Kreislauf, dass man immer wieder nach diesen Momenten sucht oder für diese Momente produziert.
00:26:19: Dass man immer so ne Kamera am DJ-Pult hat, finde ich komplett... weil es dir nicht mehr erlaubt, Fehler zu machen und nicht mehr zu experimentieren live.
00:26:32: Aus Angst was zu verkacken irgendwie.
00:26:34: Bleibt die Frage ob Josi sich da selbst herausnimmt oder ob sie sich in diesem Spannungsfeld genauso wiederfindet?
00:26:41: Ja würde ich schon sagen klar.
00:26:42: also auch die Social Media Sachen die Ich mache zielen natürlich irgendwie drauf ab auch Leute zu erreichen was ich mache.
00:26:54: Und auch bei Geeks muss ich sagen, ich bin jetzt niemand der so fünf, sechs Stunden spielt.
00:27:00: also ich mag voll ein Set aufbauen und ich liebe auch wenn das eine Dynamik hat.
00:27:06: aber ich kann mich natürlich nicht davon freimachen dass es ein schönes Gefühl ist wenn man einen Song hat wo man weiß okay die Leute kennen den Text und man spielt ihn dann und verbindet sich irgendwie damit dem Publikum.
00:27:20: Und wenn das gefilmt wird, ja poste ich natürlich auch Sachen aber in einem Ausmaß wo ich mich mit wohlfühle.
00:27:28: Gerade nach der Pandemie, als Clubs wieder öffnen konnten und viele Menschen nach langer Zeit zum ersten Mal oder überhaupt erstmals feiern gegangen sind, sind unterschiedliche Vorstellungen davon aufeinander getroffen – wie man sich im Club verhält.
00:27:42: Eine jüngere Generation hat die Szene neu für sich entdeckt und war mit manchen unausgesprochenen Regeln noch nicht unbedingt vertraut.
00:27:50: V.a.
00:27:50: in Teilen der Technoszene ist das Thema Handys dabei zum Streitpunkt geworden.
00:27:55: An Orten, die bewusst als geschützte Räume funktionieren und an denen Fotografieren oder Film eigentlich nicht erwünscht ist wurden plötzlich häufiger Smartphones gezückt.
00:28:04: Gerade bei älteren Clubgängerinnen ist es zum Teil auf Unverständnis gestoßen Und ausgerechnet darüber ist dann natürlich auch auf Social Media ziemlich intensiv diskutiert worden.
00:28:15: Ja also ich glaube das ist natürlich auch ein A-Generationskonflikt von einer Generation, die viel selbstverständlicher mit Selbstvermarktung und Social Media aufgewachsen ist.
00:28:25: Und einer, die halt gar nicht und wie das weird ist und die auch nicht gefilmt werden wollen nachts im Kloppe Und ich bin sehr interessiert an Debatten, die online darüber geführt werden und lese mir das auch oft durch.
00:28:41: Aber ohne das zu bewerten weil ich irgendwie gerade viel zu sehr darauf selber konzentriert bin so mein Ding zu machen.
00:28:47: aber ich finde diese Entwicklung schon interessant und guck mir das alles an.
00:28:50: und man muss ja auch sagen... Ich glaube es ist jetzt sehr intern!
00:28:53: Aber ich glaube dass Clubs ... dieses Kamera-Equipment noch einmal installiert haben und die Videos dann auch verkaufen oder du kannst das Package halt mitkaufen.
00:29:04: Was ich halt auch weird finde, dass man es halt... Dass der Club das auch kapitalisiert jetzt und das ist glaube ich auch nicht ganz günstig is'.
00:29:12: Ja aber das natürlich auch eine Entwicklung von Boiler Room &
00:29:16: Co.,
00:29:16: ne?
00:29:16: Jeder will so sein.
00:29:17: Boiler room Moment jetzt!
00:29:20: Und es ist auch nicht verwerflich, dass sich Leute DJ-Sets angucken online.
00:29:23: Das Kameras im Club längst nicht mehr nur von den Gästen kommen zeigt also wie sehr sich diese Kultur verändert hat.
00:29:29: Sets werden aufgezeichnet, geteilt und vermarktet – und der Boiler Room Moment ist für viele selbst zum Ziel geworden!
00:29:36: Die Grenze zwischen einem Abend, dem man einfach erlebt und ein Moment der möglichst gutem Netz funktionieren soll, wird dadurch immer unscherfer.
00:29:43: Für Josie liegt der entscheidende Unterschied aber darin, warum man das Handy überhaupt rausholt….
00:29:49: Ich habe gestern so ein Video von Arnim von Beat Sticks gesehen, der die erste Reihe angesprochen hat.
00:29:53: Er meint, wir sind gekommen um euch in die Augen zu gucken und nicht in einer Rippelschirma.
00:29:58: Und das hat gesessen.
00:30:01: Also ich hab wirklich auch nichts dagegen wenn man mal was filmt vor allem weil ich irgendwie nie jemanden mithabe der das macht und es ist ja auch so bisschen... Es ist auch förderlich, wenn man Filmmaterial hat.
00:30:13: Gerade wenn man noch nicht so richtig einschätzen kann oder ich hab ja einen Switch gemacht hin zur elektronischen Musik von Rap dann mach ich noch DJs und so viele verschiedene Sachen.
00:30:21: dafür macht es eigentlich Sinn.
00:30:22: aber mir ist das Wichtigste dass sich alle wohlfühlen in eine warme Decke eingehüllt fühlen von mir und dass man so anderthalb Stunden einfach richtig krass tanzen kann also dass man mal aus sich raus geht.
00:30:37: und da diesen Moment den ich vorhin beschrieben habe Dass ich an diesem Abend aufgehört habe zu zweifeln, das würde ich mir auch für die Leute wünschen.
00:30:44: Weil ich glaube, dass es so verbindende Abende schon
00:30:47: braucht.".
00:30:47: Genau dieses Gefühl von Verbundenheit entsteht natürlich nicht nur im Club.
00:30:51: Auch am anderen Ende des Live-Spektrums bei den riesigen Popkonzerten scheint Gemeinschaft eine große Rolle zu spielen.
00:30:58: Tournee von Stars wie Beyoncé, Taylor Swift, Harry Styles oder Sabrina Carpenter werden zur regelrechten Ereignisse.
00:31:06: Fans reisen dafür durch mehrere Länder, plan ihre Outfits und fiebern oft schon Wochen vorher gemeinsam auf Social Media auf den Abend hin.
00:31:14: Und obwohl dann zehntausend Menschen in einem Stadion stehen kann dort ein starkes Gemeinschaftsgefühl entstehen – nur eben anders als im kleinen Club.
00:31:23: Weniger durch Intimität sondern durch das gemeinsame Erleben!
00:31:27: Die selben Songs mitsingen, auf dieselben Momente warten und für ein paar Stunden Teil derselben Sache sein.
00:31:32: Dass diese Abende für viele weit über das Konzert hinaus Bedeutung haben, sieht man auch danach.
00:31:38: Videos werden Monate später wieder geteilt, Fans erinnern an ihr persönliches Konzerdatum und feiern teilweise sogar den Jahrestag ihrer Show.
00:31:47: Aus diesem riesigen Ereignis wird zugleichzeitig eine sehr persönliche und kollektive Erinnerung.
00:31:53: Aber diese immer größer werdenden Turnäen haben natürlich auch eine wirtschaftliche Seite – und die kann für einen restlichen Livemarkt durchaus problematisch sein!
00:32:02: findet Josi.
00:32:03: Jetzt, wo du sagst, fällt es mir auf, dass ich ewig nicht auf so einem Stadionkonzert war.
00:32:08: aber ich kann nicht leugnen, dass sich das auch mächtig finde und das ist jetzt ausgeblendet von dem ganzen Problem der Monopolisierung, der Ticketverkäuferplattform und so.
00:32:21: also ich glaube das kann man schon kritisch sehen Markt der kleinen Konzerte kaputt macht, weil die Leute für ein Ticket so viel Geld ausgeben müssen.
00:32:29: Dass sie sich nicht zwei oder drei Indie-Konzerte noch anschauen können.
00:32:33: Also das finde ich ... Aus der sich komplett beschissen.
00:32:37: Aber das letzte große Konzert, wo ich war, war Kai Zett.
00:32:41: Nur für Frauen in der irgendwas Arena in Berlin.
00:32:46: Ich weiß nicht wie sie gerade heißt.
00:32:49: Aber ich glaub da war das Verbindende halt, dass wir nur Flinters waren und ich hab selten so ein schönes Gemeinschaftsgefühl gehabt.
00:32:59: Es war alles megageil aus, wir waren zusammen auf den Pisswares ... Wir haben uns alle so freigefühlt, niemand musste seinen Getränk abdecken und so.
00:33:09: Alle waren so.
00:33:11: was für einen geiler schöner Abend!
00:33:13: Und eine große Verbundenheit mit so vielen fremden Leuten hatte ich ewig nicht, ja?
00:33:55: Und genau so natürlich auch der berühmte Roman von George Orwell.
00:33:59: Darin entwirft Orwell eine totalitäre Gesellschaft, in der Überwachung, Kontrolle und Verlust von Selbstbestimmung zum Alltag gehören.
00:34:07: Genau dieses Gefühl!
00:34:08: Die Kontrolle darüber zu verlieren, was mit den eigenen Daten oder der eigenen Arbeit passiert beschäftigt Josi auch ganz konkret in der Gegenwart.
00:34:17: Vor allem wenn es um künstliche Intelligenz geht und um die Frage wer eigentlich darüber entscheidet womit diese Systeme trainiert werden?
00:34:24: Und was mit der Musik von Künstlerinnen passiert.
00:34:27: also ja wir haben ja glaube ich den Zenit überschritten, an dem es mehr KI-Musik als von Menschen gemachte Musik auf den Streamingplattformen gibt.
00:34:36: Dann gibt's natürlich immer mal wieder Entwicklungen das verschiedene Plattformen auch Sachen löschen und runternehmen und so.
00:34:41: aber ich glaube als Artist so hilflos zu sein und keine Macht über seine Rechte zu haben und kein Mitspracherecht welche KI damit gefüttert wird.
00:34:52: Das macht mir auf jeden Fall Angst.
00:34:54: und ich lese gerade wieder Wir haben ja diesen Song auch gemacht und ich wollte irgendwie das Buch nochmal lesen.
00:35:03: Und ich will nicht sagen, dass es super viele Parallelen gibt aber so eine Dystopie die sehe ich auch in Anteilen.
00:35:10: aktuell.
00:35:11: neben der ganzen geopolitischen Lage ist natürlich diese Monopolisierung von großen amerikanischen oder chinesischen Techfirmen von denen wir überhaupt keinen Einblick haben was mit unseren Daten und mit unserem künstlerischem Output passiert, super beängstigend.
00:35:29: Und dass es auch keine Lobbys oder rechtlichen Schritte gibt die man einleiten kann.
00:35:34: Ja das finde ich super crazy!
00:35:36: Erst vor kurzem hat Stegema im Verfahren gegen den US-amerikanischen KI Anbieter Suno einen wichtigen Erfolg erzielt.
00:35:43: Das Landgericht München hat entschieden, dass Suno bei mehreren bekannten Songs Urheberrechte verletzt hat.
00:35:49: Sowohl durch die Nutzung beim Training als auch dadurch, dass Teile der Werke im KI-Modell gespeichert und später wieder ausgegeben worden sind – das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig!
00:36:01: Damit ist zumindest aber eine zentrale Forderung auf dem Tisch.
00:36:04: Wer geschützte Musik für KI-Systeme nutzt kann nicht einfach davon ausgehen, Aber wäre eine finanzielle Beteiligung für Jose jetzt beispielsweise überhaupt genug?
00:36:17: Oder müsste die Entscheidung zuerst bei den Künstlern selbst liegen.
00:36:26: Standard sein und als zweiter Schritt, wenn man Zustimmung gibt.
00:36:30: Ganz normal wie wenn ich von anderen Artists mir Musik nehme, frage ich das an, darf ich das benutzen oder krieg das Geld?
00:36:35: So sollte es für mich laufen.
00:36:37: also nur Geld und ohne Zustimmung finde ich ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
00:36:44: aber insgesamt halte ich es für eine Entwicklung die viel zu schnell läuft von Firmen Ja, nazistischen CEOs die irgendwie eine Vision... Also ich meine es gibt ja so viele Podcasts gerade über.
00:37:00: Die Open AI, Sam Ordmann Peter Thiel und wenn man sich alleine deren Wünsche und Visionen anhört denke ich schon krass du machst halt nichts für mich Du machst halt alles nur für dich oder Leute deiner Gehaltsklasse.
00:37:19: Und mit einem größten Wahnsinn.
00:37:21: von diesem Ursprung ausgehend sehe ich KI doch schon sehr kritisch, aber natürlich wenn es Bereiche gibt wo es hilft medizinisch und auch in der Musik einen Zusammenspiel mit KI.
00:37:34: Es gibt ja auch Plugins mit denen man arbeitet die dir irgendwie bei Quartz helfen oder keine Ahnung.
00:37:40: wenn jemand damit mal schnellen Cover erstellen will oder eine Idee skizzieren halte ich das für unproblematisch wenn's alles im rechtlichen Rahmen wäre.
00:37:49: Und dieser rechtliche Rahmen betrifft nicht nur die Musikindustrie, sondern die gesamte Kreativbranche.
00:37:54: Manche Bereiche mehr als andere.
00:37:56: Also
00:37:56: viele Sachen, die vorher der Algorithmus gemacht hat machen jetzt KI und dann sehe ich da auch gar nicht so einen großen Unterschied.
00:38:03: aber... Ich mache mir natürlich auch mega viele Sorgen um meine Freunde, die Jobs in der Kreatifbranche haben, die komplett ersetzt werden sei es in der Grafik oder auch im Texten.
00:38:12: So mein Freund ist ein fantastischer Pressetexter und ich glaube nicht dass KI das jemals zu geil machen kann.
00:38:17: Aber die Gefahr besteht natürlich und ja, das finde ich schon besorgniserregend.
00:38:24: Und noch mehr habe ich den Anspruch jetzt für die Musik, die ich jetzt mache nach der EP wieder Fehler einzubauen.
00:38:31: also ich hab ganz krass das Bedürfnis dass es so richtig menschelt in der Musik.
00:38:36: Social Media KI ein verändertes Konzertverhalten All das wirft die Frage auf wie eine Musikindustrie aussehen kann die auch für die kommende Generation noch funktioniert.
00:38:46: Genau darum geht es in diesem Jahr auch beim Reparation Festival.
00:38:49: Um die Zukunftsfähigkeit eines Musik-Ökosystemes, das sich gerade an vielen Stellen verändert und gleichzeitig soll dort natürlich weiterhin vor allem eins passieren – Musik!
00:39:00: Das Lineup reicht quer durch alle Jores von noch unbekannten Newcomerinnen bis zu etablierten Acts, in kleinen Clubs bei intimen Kirchenkonzerten oder auf der großen Bühne der Elbphilharmonie.
00:39:11: Damit es diese Vielfalt aber auch in Zukunft noch gibt, müssen junge Künstlerinnen überhaupt die Chance bekommen sich auszuprobieren und eine Karriere aufzubauen.
00:39:19: Und genau da sieht Josi Miller gerade eine Entwicklung wie ihr Sorgen
00:39:23: macht.
00:39:23: Also was ich mir wünschen würde sind dass diese ganzen Förderstrukturen, die wir aufgebaut haben, diese Förderfestivals wieder das Strapendium, was ich machen durfte bei Gutrundgut, dass diese Sachen ja durch drohende Kürzungen wegfallen und das dadurch die Kompetitivität unter den kleineren Artists extrem steigt.
00:39:45: Und ich hasse so einen Konkurrenzdenken, und ich glaube dass das ganz viel auch von außen aufgedrückt wird weil es dann halt nur noch wenige Plätze auf irgendwas bestimmtes gibt.
00:39:57: Alle haben Bock auf Musik machen und sollten ja die Möglichkeit haben das zumindest auszuprobieren.
00:40:03: Ja, ich glaube so an Förderstrukturen und an Ideen wie zum Beispiel ein bedingungsloses Grundeinkommen für Künstlerinnen.
00:40:11: Was es ja durchaus in Ländern auch gibt und beweist das Leute arbeiten wollen und Bock haben Kunst zu machen die aber nicht komplett kapitalisiert ist sondern auch des Kunstwillens und dass sich unser Kunstverständnis nicht ändert dadurch dass alles einen Wert haben muss und möglichst groß ausgeschlachtet werden kann.
00:40:30: Das sind für mich jetzt so die wichtigsten Sachen.
00:40:33: Ich glaube, wir haben schon lange über Genderneutralität gesprochen und das sind natürlich Themen, die sind super wichtig aber wir müssen uns auch weiteren Themen gerade widmen weil sonst wird es glaub ich richtig eng in der Musikindustrie für
00:40:46: alle.".
00:40:47: Und damit landet Jose ziemlich genau bei den Fragen, die auch das Reperbahn Festival in diesem Jahr umtreibt Wie kann sich die Musikwirtschaft verändern ohne dabei diejenigen aus dem Blick zu verlieren?
00:40:57: Die gerade erst anfangen?
00:40:58: Wir entstehen Räume, in denen junge Stimmen gehört werden und Teilhabe nicht davon abhängt wie gut man sich im Wettbewerb behaupten kann.
00:41:06: Bei einem Festival des Zehntausende Besucherinnen tausende Branchenvertreterinnen aus aller Welt und hunderte Veranstaltungen zusammenbringt geht es deshalb um mehr als Musik allein!
00:41:16: Es geht um die Bedingung, unter dem Kultur entstehen kann.
00:41:20: Um Solidarität zwischen Künstlerinnen, Publikum und Branche – aber auch um ihren Wert für eine offene Gesellschaft.
00:41:27: Musiker als etwas an dem möglichst viele Teil haben können!
00:41:30: In der nächsten Folge nehmen wir das Line-up noch einmal genauer unter die Lupe.
00:41:34: Die Kleinen und die großen Ecks.
00:41:35: Ich sag hier bei Ruhestörung nun erstmal Tschüss, mein Name ist Liz Remter.
00:41:39: Abonnieren nicht vergessen wenn euch Ruhesstörungen gefällt und lasst auch gerne einen Kommentar und Feedback da!
00:41:44: Ich verabschiede mich mit einer Musikerin die Jose Eucherns Herz legen möchte und die man selbst auf ihrer aktuellen EP hört Mulai.
00:41:51: Bis zum nächsten Mal.
00:41:52: Ciao.